Donnerstag, 29. Dezember 2011

Eine bizarre Geschichte

Anfang: MO 11 Oktober 2010


Eine bizarre Geschichte; ein von mehreren Personen geschriebener Text aus einem Philosophieforum

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ANFANG


Hättet Ihr Lust, gemeinsam eine Geschichte zu entwickeln, in die wir unsere Individualiät(en) einbringen können?
Ich stelle mir in Anlehnung an andere Threads hier vor, daß nach meinem Anfang die Geschichte einfach fortlaufend und ineinandergreifend durch Wort- und Bildbeiträge weitergeschrieben wird (die Wortbeiträge vielleicht nicht ganz so lang wie mein Beginn :-)
Alles ist erlaubt, es sollte nur immer der rote Faden zu erkennen sein.
Tja, und das wäre dann der Anfang....


Tims Reise zur Sonne.
Eine Geschichte in Worten und Bildern.

Es war einmal ein kleiner Junge, den man auf den Namen Timotheus getauft hatte. Er trug diesen Namen mit einem feierlichen Stolz, weil er genau so hieß, wie sein über alles geliebter Großvater.
Nur leider wurde er im Unterschied zu ihm von allen nur noch "Tim" gerufen. Der Einfachheit halber, schien ihm. Aber er wunderte sich oft, was Erwachsenen einfach schien und was schwer.

Mit dem Großvater, dem "unverbesserlichen Querkopf", wie ihn Tims Vater nannte, verband Tim vor allem die Liebe zur Astronomie. Solange er denken konnte, hatte ihn der alte Mann in sternenklaren Nächten geweckt und sie hatten sich auf Zehenspitzen aus dem Haus geschlichen, um zur alten Scheune hinüberzugehen. Arm in Arm saßen sie dann da, ergriffen von der Schönheit des funkelnden Lichtermeers. Und wenn keiner von ihnen mehr ein Wort sprach, war es ihnen manchmal, ob sich die Sternendecke wie wärmend um sie legen würde.
In den acht Jahren, in denen er nun schon auf der Welt war, hatte es viele Tage gegeben, an denen die Sterne nicht zu sehen waren. Dann nahm der alte Timotheus seinen Enkel auf eine Gedankenreise mit, die nicht weniger spannend war.
Er erzählte ihm von Zeugnissen alter Kulturen, die schon vor langer Zeit versucht hatten, die Sterne für die Menschen auf die Erde zu holen. Und von Galileo Galilei und Johannes Kepler. Und Tims allergrößter Wunsch war, einmal ein eigenes Fernrohr zu haben.

Tims Mutter Annemarie wußte mit der "Spinnerei" ihres Sohnes und Schwiegervaters wenig anzufangen. Sie hatte einen festen Glauben an Gott und sah in den Sternen ein beeindruckendes Zeugnis göttlicher Allmacht. Mehr brauchte der Mensch nicht zu denken und zu grübeln, gab es doch Wichtigeres, als sich in Tagträumen zu verlieren, die zu keinem handfesten Ergebnis führen würden.
Eines Abends jedoch, als die Mutter wie immer Tims Zimmer betrat, um mit ihm das Gute-Nacht-Gebet zu sprechen, fand sie auf dem leeren Bett nur einen Zettel mit krakeliger Schrift vor:
An Mama! Heute kein Gott! Dein Tim
......
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Seltsam war aber nur eine Tatsache: Nämlich dass sich Tim zu diesem Zeitpunkt nur wenige Meter von der Mutter weg befand, aber von der Mutter überhaupt nicht bemerkt wurde. Sein Versteck, auch sein 'Schloss', wie er es gerne nannte, war eine kleine Falltür, welche er bereits vor zwei Jahren entdeckt hatte, die ihn in ein kleines Räumchen führte, in der er alle Dinge aufbewahrte, die er als 'Dinge, die mich zu den Sternen bringen werden' bezeichnete. Als die Mutter nun sichtlich schockiert das Zimmer verliess, hatte der kleine Tim alle diese wertvollen Dinge eingepackt und verschwand in einem weiteren unachtsamen Moment der Mutter, das Haus. Er wusste nicht, dass er das nächste Mal erst Jahrzehnte später sein Haus wiedersehen würde.

Der Grossvater wurde alsbald von der Mutter befragt und beschimpft, da sie ihn für das Geschehene verantwortlich machte.
-Da siehst du was deine Hirngespinste angerichtet haben! Oh, wir werden unseren Tim nie wiedersehen!

Doch der Grossvater wusste genau, wo sich Tim befand.
-Das wird schon wieder gut werden.
Sprach er, behielt sein kleines Geheimnis aber für sich. Denn er hatte selbst als Kind geträumt und wusste, dass man die Kinder solche Träume ausleben lassen muss. Er kannte das Gefühl, gefangen zu sein, er kannte den Wunsch dieser Erde zu entkommen. Die Diktatur der Fantasielosen, die gewiss hier herrschte ohne wirklich anwesend zu sein, diese ist es, die den jungen Tim bedrückt hatte. Und auf eine seltsame Art war der alte Grossvater stolz, dass sein Enkel ihn so gut verstanden hatte.
-Das wird schon gut werden...
Sagte er noch einmal, in seinen Bart hinein murmelnd.

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@ Joker:

Tim´s Mutter, welche mit Namen Dagmar hiess, legte sich auf die Couch, und, der Psychoanalytiker namens "Fröhlich" versuchte zuerst einmal, sie in einen entspannten Zustand zu bringen; "Egal, was auch immer passiert ist, veruchen Sie, es ohne jegliche Emotionen wiederzugeben, so kann ich es am besten verstehen" sagte er.
Es dauerte lang, bis dieser neutrale Geisteszustand erreicht war, aber, als es soweit war, kam Fröhlich auf den Punkt:
"Was ist es wirklich, wonach Tim sich sehnt, oder aber, wie ist diese Welt, die er sich herbeisehnt; haben Sie keine Hemmungen, sich selber als eine Art "Science-Fiction-Autor" zu betrachten; es geht nicht darum, ob Tim wirklich auf Alpha Zentaurus, 50 Lichtjahre von uns entfernt, gelandet ist, oder nicht, es geht darum, was er sich davon verspricht oder aber erhofft".
Dagmar stönte: "Ach, der Bub hatte immer so phantastische Ideen im Kopf; wissen Sie, was er gesagt hat, als ich ihn fragte, welchen Beruf er später mal erlernen will?"
"Nein, erzählen Sie" antwortete Fröhlich, worauf Dagmar sagte: "Feuerwehrmann, Lokomotivführer, Pilot, Astronaut, Rennfahrer und noch weiter so´n Quatsch......."

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"Hmm... was haben Sie ihm darauf geantwortet?"
"Nichts."
"Obwohl Sie seine Ideen für Quatsch gehalten haben?"
"Ja, schon. Aber ich hatte als Kind auch so viele Flausen im Kopf und bin doch etwas anständiges geworden."
"Nämlich?"
"Mutter."
"Ah. Sie wurden also anständig durch ihre Mutterschaft?"
"Nein! Ich war auch vorher anständig!"
"Aber sagten Sie nicht, Sie wären etwas anständiges geworden, nämlich Mutter?"
"Das meinte ich aber anders!"
"Bitte entschuldigen Sie, vielleicht habe ich Sie falsch verstanden."
"Ja, das haben Sie! Ich war immer anständig und dann wurde ich eben auch Mutter."

"Sie brauchen darauf nicht zu antworten, wenn Sie nicht möchten, aber ich würde Sie gerne fragen, was Sie unter "anständig" verstehen."
"Ich tue meine Pflicht."
"Pflichterfüllung ist also Anstand?"
"Ja!"
"Wenn ich dort noch einmal einhaken darf: Welche Pflichten empfinden Sie als "anständig"?
"Wenn ich meine Aufgaben erfülle."
"Setzen Sie demnach Pflicht mit Aufgabe gleich?"
"Ja, das ist das gleiche."
"Wer, meinen Sie, stellt Ihnen diese Aufgabe, die Sie sicher nach besten Kräften erfüllen?"
"Gott."
"Gott. Sie sind also gläubig?"
"Ja, zutiefst!"
.......

Derweil machte sich der Großvater reisefertig.
Er hing zu sehr an seinem Enkel, als daß er ihn einfach so in die Welt ziehen lassen wollte. Und er hatte auch ein schlechtes Gewissen.
Hier konnte er doch nichts tun.
Seine Schwiegertochter, die eigentlich Annemarie hieß, aber von allen aus unerfindlichen Gründen Dagmar gerufen wurde, lief jeden Tag aufgelöster zu Dr. Fröhlich. Wie ein Psychofritze so heißen konnte, war dem alten Mann unerklärlich. Überhaupt, sie waren wie frischer Kaugummi auf Bürgersteigen.
Und auch sein Sohn Hans drehte sich nur noch wie ein Derwisch um die eigene Achse. Telefonierte andauernd mit der Kripo, klebte Plakate oder schaltete Suchanzeigen.
Die beiden taten ihm schon leid, aber immer, wenn er ihnen etwas dazu sagen wollte, behandelten sie ihn wie Luft. War er doch der Verursacher allen Übels.
"Hornochsen, dammische", sprach er, nahm seinen kleinen Lederkoffer in die Hand und verließ das Haus durch die Hintertür ...

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@ Theo:

"Nun", sprach Fröhlich zu Dagmar, "ich sehe, Hans macht sich sehr Sorgen um Tim Junior, er klebt Plakate und fragt nach seinem Verbleib; Nur eben, daß er damit keinen Erfolg haben wird; allmählich glaube ich, er ist ein wenig eifersüchtig auf seine Schwester, weil er denkt, wir beide..........."
"Nein" sagrte Dagmar, Hans weiß, dass ich anständig bin, und, er weiß auch, dass wir beide uns hier nur treffen, weil auch Sie ihre Pflicht erfüllen". Fröhlich räusperte und sagte: "Worauf wollen Sie hinaus?"; worauf Dagmar antwortete: "Also, es ist so...." dann jedoch wurde sie durch das Klingeln des Telefones unterbrochen, Fröhlich ging ran, hörte eine Minute lang zu uund sagte: "Ihr Schwiegervater ist dran, er ist gerade in Bangladesh gelandet und fragt, ob er einen Anwalt haben könnte, weil sie ihm am Flughafen verhaftet haben und er im Moment in einer vergitterten Zelle sitzt". Fröhlich reichte ihr den Hörer...

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"Wo bist Du?", schrie Dagmar fast ins Telefon.
"In einer Zelle in Bangladesh", sagte der Alte ruhig.
"Und jetzt?", Dagmar war einem Kollaps nahe.
"Ich will hier raus, was sonst?" darauf wieder ruhig der Alte.
Dagmar entglitt der Hörer aus schweißnasser Hand, sie mußte ich am Schreibtisch des Psychiaters abstützen.
Fröhlich ergriff den pendelnden Hörer, um das Telefonat fortzusetzen, doch es war nur noch ein Besetztzeichen zu hören.
"Frau Hoffmann..... Dagmar.... bitte, so fangen Sie sich doch, es ist doch nichts passiert!", versuchte Fröhlich seine Patientin zu beruhigen.
"Nichts passiert? Es ist NICHTS passiert?", schrie ihn Dagmar fassungslos an. "Mein Sohn ist verschwunden und mein Schwiegervater sitzt in einer Zelle in Bangladesh. Und für Sie ist das alles "Nichts"? Helfen Sie mir doch - so helfen Sie doch! Oder können Sie bloß rumschwätzen?"
Fröhlich stand erstarrt vor ihr. So hatte noch niemals ein Patient mit ihm gesprochen - und schon gar keine Frau. Er hielt es nicht für möglich, daß ihm so etwas einmal hätte passieren können, nahm seinen ganzen Psychiatiker-Stolz zusammen, richtete sich zur vollen Größe auf und sagte betont langsam und akzentuiert: "Sehr geehrte Frau Hoffmann, ....

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@ theo:

"Bestimmt hat der Alte "Bangladesh" mit "Bottrop" verwechselt; ich habe die Nummer, von der aus telefoniert wurde, mal gespeichert, das passiert automatisch bei meinem Telefon; ich werde jetzt mal zurückrufen" sprach Fröhlich, und wählte...........

"Ihr Schwiegervater ist am Telefon" sprach er und hörte weiter, was sein Gesprächspartner so von sich gab...
.......................................................
"Ja, ich bin ihr Psychoanalytiker, mit dem Sie eben auch gesprochen haben"
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"Woher wissen Sie, dass Sie sich in Bangladesh befinden und nicht in Bottrop?"
.......................................................
"Nun, nach Bangladesh reist man normalerweise mit dem Flugzeug und nicht mit dem Reisebus"
........................................................
"Nein, in Bottrop haben Reisebusse keine Flügel"
........................................................
"In Bottrop trägt man keinen Turban, sie haben das bestimmt mit dem Kopftuch verwechselt"
.......................................................
"Nein, in Bottrop gibt es kein Kopftuchverbot"
......................................................
"Die sind nur deswegen so braun, weil es dort viele Kohlenreviere gibt"
......................................................
Das Gespräch war beendet, und Fröhlich sagte mit besorgter Mine zu Dagmar:
"Ich befürchte, dass er aus Versehen wirklich in Bangladesh gelandet ist, eine Fehlbuchung oder so.
Dagmar schlug vor lauter Verzweiflung die Hände über dem Kopf zusammen, Fröhlich überlegte, wie er ihr helfen konnte; das war schließlich sein Beruf; doch plötzlich klingelte das Telefon nocheinmal; Fröhlich ging ran:
...................................................
"Warten Sie, ich gebe ihnen mal die Tochter"

Er übergab Dagmar das Telefon und sagte leise zu ihr: "Am Telefon ist Oberpsychiater Dr. Alt aus Bottrop, mit dem habe ich zusammen studiert, Timotheus ist wohl wirklich in Bottrop gelandet, auf der "Geschlossenen" aber, er denkt, er sei in Bangladesh"

Dagmar nam den Hörer und hörte lange Zeit zu, dann stellte sie ein paar Fragen an Dr. Alt:

"aber wieso laufen die dort alle mit einem Turban rum?"
.......................................................
"Aber Reisebusse haben wirklich keine Flügel"
......................................................
"Ist das nicht zuviel Aufwand, sich jeden Morgen braun zu schminken?"

Nach ein paar Minuten legte sie auf und sah Dr. Fröhlich besorgt an....

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"Und? Was halten Sie davon?", fragte sie ihn, mühevoll um Haltung ringend.
"Alles ganz normal, liebe Dagmar, äh, Frau Hoffmann. Bei meinem Kollegen ist Ihr Schwiegervater in den besten Händen. Sie könnten sich keine besseren wünschen", antwortete er und stieß ein leises Gackern aus.
Dagmar war fassungslos. "Sind denn jetzt alle verrückt geworden?", worauf Fröhlich ernst erwiderte: "Aber meine Liebe, es ist doch alles nur eine Frage der Definition. Jetzt beruhigen Sie sich doch erstmal und dann sehen wir weiter."
Er nahm ihren Arm und führte sie zu seiner roten Couch, worauf sie sich den Tränen nahe erschöpft fallen ließ.
"Schwester.....!", rief Fröhlich plötzlich mit einer grellen Stimme, die Dagmar zusammenzucken ließ, "zwei Tassen Kaffee und meine Eier bitte!"
Nach einer Weile erschien die Sprechstundenhilfe mit zwei Tassen und einem großen Korb voller Eier. Dagmar wunderte sich, widmete sich aber zunächst dem heißen Getränk, das ihr sichtlich gut tat.
Schließlich frage sie Fröhlich doch, was er denn mit den vielen Eiern wolle.
"Wissen Sie, liebe Dagmar", war die erfreute Antwort, "ich treffe mich doch gleich mit einem Freund zum Golf. Und dazu brauchen wir sie."
"Sie spielen also Golf mit Eiern?", erwiderte Dagmar, dankbar für den Scherz, der ihre Stimmung wohl aufheitern sollte.

Und dann ging alles sehr schnell.
In dem Moment, als Fröhlich gerade erstaunt mit "Ja, wissen Sie denn nicht....." zu einer Antwort angesetzt hatte,
wurde die Tür explosionsartig aufgerissen
und in den Raum hinein sprang ein dunkelhäutiger, barfüßiger Mann mit einem Turban auf dem Kopf und einem Teppich unter dem Arm,
der sich mit einem lauten "Allah Akbar" auf Dr. Fröhlich stürzte.

Dagmar war vor Schreck wie gelähmt.
Wie im Nebel hörte sie Fröhlich lachen und sagen: "Johannes, alter Spinner! Schön, Dich zu sehen! Komm' an meine Eier!"
Woraufhin jener Johannes seinen Teppich ausrollte, sich niederkniete und den nun ebenfalls knieenden Fröhlich herzlich umarmte.
Ein paar Minuten später, die Dagmar wie eine Ewigkeit vorkamen, richtete sich ihr Psychiater wieder auf. "Dagmar? Darf ich Ihnen meinen alten Freund und Golfpartner, Dr. Johannes Alt, vorstellen? Sie wissen, den aus der Klinik?"

Dagmar erhob sich langsam von der Couch und schwankte wortlos zur Tür. Nur raus hier. Nur weg.
Aber Fröhlich ging ihr nach und bewunderte ihre prächtigen Waden, an denen sich schwarze Strumpfnähte mittig und kerzengrade, so wie er es liebte, aus den hohen Schuhen bis unter den kurzen Rock zogen, um am Rocksaum ihren Weg ins Land seiner Träume unbeobachtet fortzusetzen.
Er sagte: "Das ist aber auch ein Tag! Wußten Sie eigentlich, daß Berta, meine Lieblingshenne, ihre Perlonstrümpfe verlegt hat?"
Dagmar hatte fast den Ausgang erreicht, da rief er ihr noch nach:
"Ob sie sie vielleicht gefressen hat?"

Nachdem die Tür ins Schloß gefallen war, drehte sich Fröhlich gutgelaunt um und ging zu seinem Freund zurück, der sich den Turban abgenommen hatte und gerade die braune Schminke aus dem Gesicht wischte,
lachte, und sprach: "Alter Schwede! Die Hühner und die Weiber .........


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@ theo:

Abends wartete Dagmar zuhause sehnsüchtig nach Hans, ihren Ehemann, der Dienstags immer zum Kegeln ging. Sie hatte ihm versprochen, rechtzeitig zuhause zu sein, aber, da die Sitzung doch etwas länger dauerte, kam sie erst an, als er schon weg war. Nach Stunden kam dann Hans zurück, und, als er sie sah, entschuldigte er sich bei ihr:
"Tschuldigung, dass ich um 17.30 nicht da war, aber, ich habe einen Anruf bekommen, das Vorturnier begann schon 50 Minuten früher, und, wer dabei ist, hat die besseren Gewinnchancen. Ich hoffe du bist mir nicht böse, denn, ich kam letzendlich nämlich auf Platz 2 und habe einen edlen Perserteppich gewonnen; er liegt noch unten im Auto.
Das war natürlich nur Glück, denn ein reicher Sponsor, der Sohn des Scheiches Abdulgaffa Almani hat ihn gesponsort; sie haben ihn auf einer Messe in Bottrop ausgelegt, er ist also gebraucht, aber, der Rücktransport für die Messegüter wäre zu teuer gewesen".
Dagmar, welche eigentlich Annemarie hieß, begann zu heulen, und, als er sie zärtlich in seine Arme nahm, erzählte sie ihm die Geschichte; dann blickte er ihr in die Augen und fragte:

"Aber, was ist nun mit Tim?"

Darauf Dagmar: "Tja, das wissen die Sterne", worauf Hans kurz zusammenzuckte und dann erregt sagte: "Das Teleskop......., ja, das Teleskop, daß er zuletzt zu Weihnachten geschenkt bekam, wo ist es?"

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-Es ist gleich dort, erwiderte Dagmar, scheinbar unbegreifend, was Hans vorhatte.
-Na dann hol es mir!, sagte Hans und versuchte dabei möglichst hart zu klingen
-Hol es dir doch selbst, du Esel!
-Ach, seufzte Hans, ich habe keine Zeit für sowas.
Er nahm das Teleskop und zeigte damit ins Nachbarhaus, welches immer einen grünen Schimmer von sich gab, der von keinem der Nachbaren je erklärt hätte werden wollen. Ausserdem war man derzeit zu faul, um noch wirklich grosse Theorien über grünschimmerndes Licht zu erstellen, es fragt sich schliesslich auch niemand, wieso der Mond uns weiss erscheint.

-Hab ichs mir doch gedacht! Da ist dieser kleine Bengel.
Hans wies mitten ins Wohnzimmerfenster, und mithilfe des Teleskops war er nahe genug, um jegliche Details von Tims Auge zu betrachten.
-Nun gut..., sprach Hans, dafür hätte ich das Teleskop wohl auch nicht gebraucht.
Es hatte den Anschein, als ob die Nachbaren eine Sternefabrik führten. Dies muss wohl Tims Begeisterung erweckt haben, welcher daraufhin sich dort eingefunden hat. Mit welchen finanziellen Mitteln die Nachbaren eine Sternefabrik hätten aufmachen können, wurde Hans bei festestem Nachdenken nicht klar, und auch nicht, woher sie plötzlich solche wissenschaftliche Methoden besassen. Und zuletzt auch die Frage wozu eine Sternefabrik, blieb ungeklärt.

Derweil gab es Probleme, mit Dr. Fröhlich, denn Golfspielen, konnte dieser gar nicht.

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@ Joker:

Hans blickte seine Frau ernst an und sagte:

"Jetzt wird mir einiges klar; Thimotheos ist gar nicht in Bangladesh, und, der angebliche Psychiater Dr. Alt ist ein guter Freund von Fröhlich! Der Perserteppich ist der von dem Typen mit dem Turban, wer weiß, ob es diesen "Dr. Alt" wirklich gibt, dahinter, da steckt natürlich eine Intriege. Ich werde jetzt mal den Teppich holen, mal sehen, ob es der gleiche ist............
Völlig klar ist doch, dass du längst hättest wissen müssen, dass man mit Eiern kein Golf spielen kann.
Schon gar nicht auf einem Perserteppich!
Als erstes mal müssen wir also erkunden, welcher von unseren Nachbarn hinter dieser Sternfabrik steckt; drei Familien habe ich schon in Verdacht: Die "Schlonzendörfer", die "Flonzenstädter" und die "von und zu Gottesgnaden"; ich werde jetzt mal................."

Das Telefon klingelte; Dagmar blickte irritiert und hob ab, dann blickte sie zu Hans und sagte: "Thimotheus ist am Telefon"............
Er nahm ihr den Hörer ab, und Dagmar blickte nochmal durch das Teleskop, um Tim nochmal sehen zu können......

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Hans stellte auf 'laut' und nahm den Hörer an sein Ohr.
"Vater?"
"Hier spricht Gott."
"..........Bitte???"
"Hier spricht Gott."
"Bist Du jetzt total durchgeknallt?"
"Gott beschimpft man nicht."
"Vater, verdammt nochmal, jetzt laß' den Quatsch! Kannst Du mir mal sagen, was das alles soll? Kannst Du Dir eigentlich vorstellen, welche Ängste wir ausgestanden haben? Wir haben nächtelang nicht geschlafen!
Aber das hast Du Dir wohl nicht überlegt! Hast Du nur ein einziges Mal an Tim gedacht? Aber nein, das hast Du nicht, weil Du schon immer nur an Dich ...
"Gott unterstellt man nichts."
"Vater !!! Wenn Du nicht sofort damit aufhörst, dann....."
"Gott droht man nicht."
"Aber Du bist nicht Gott, Vater! Du bist ein Mensch, Himmeldonnerwetter! Was ist nur in Dich gefah...
"Gott beschimpft man nicht."
".................Vater???"
"Ja, mein Sohn?"
"Was ist los?"
"Nichts ist los."
"Das kann doch nicht Dein Ernst sein!!! ...........Wo bist Du?"
"Da, wo ich bin."
"J A !!! In Ordnung, in Ordnung! U N D W O, V E R D A M M T, I S T D A S ???"
"Gott schreit man nicht an."
"Du machst mich wahnsinnig !!!"
"Gott ist für die Wahnsinnigen."
"BITTE, Vater, um Himmels Willen: W O B I S T D U ???"
"In einem Haus."
"In welchem Haus?"
"In einem Gotteshaus."

Dann war die Leitung unterbrochen und Hans drehte sich schweißgebadet zu Dagmar um und sagte nach einer Weile: "Meinst Du, sie filmen uns?"
"Ob sie was???"
"Ob sie uns filmen! Das kann doch alles nicht wahr sein.......
Weißt Du was? Ich gehe jetzt zu unseren Nachbarn und hole Tim - alles andere ist mir vollkommen egal. Soll doch Gott den beiden Irrenärzten an die Eier gehen ....... ICH hole jetzt meinen Sohn!"
"Aber Hans, doch nicht allein! Das schaffst Du nicht!"

Das war das entscheidende Signal.
Es war, als hätte ein Blitz Hans getroffen. Seine, den vielen Jahren geopferte Körperspannung kehrte zurück, der unübersehbare Bauch zog sich hinter eine magische Grenze zurück und sogar die Haare schienen auf einmal fülliger zu sein....
Der ganze Mann atmete Testosteron.
Er fühlte sich männlich, stark und kampfbereit wie noch nie in seinem Leben. Es war sein High Noon. Und nichts würde sich ihm in seinen Weg stellen können.
Er hatte einen Auftrag. Und den würde er erfüllen, selbst wenn er dafür mit seinem Leben bezahlen müßte.
Er nahm sein zitterndes Weib kurz und fest in die Arme und zog an die Front.

Das grün schimmernde Haus war schnell erreicht.
Punkt Mitternacht drückte er den Klingelknopf auf dem Messingschild "Archi Bald von und zu Gottes Gnaden".
Als sich das schwere Eisentor lautlos öffnete, war ihm, als hätte er in diesem Moment die Hälfte seiner Hormonpackung verloren, aber......

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@ theo:

Ich öffnete die Tür, völlig verkatert, nur mit einer Unterhose bekleidet, und starrte entsetzt auf einen Mann, welcher sich höflich als "Hans" vorstellte, an.
Er erklärte mir etwas, was ich aufgrund meines Restalkoholgehaltes nicht verstand, gab ihm eine schlagfertige Antwort, an die ich mich aber nicht mehr erinner kann, worauf sein Gesicht hochrot anlief: "WO ZUM TEUFEL IST TIM?"
Schrie er mich an........
Seine Ausstrahlung war dermaßen dominant, dass ich micht traute, zu wiedersprechen.
"Also.", sagte ich, "ich bin hier nur, um das Haus zu hüten, weil die von Gottesgnaden gerade in Urlaub sind, in Schalke, das liegt in der Nähe zu Bottrop............."
Ich lief hochrot an, so, daß keiner mehr sagen konnte, ich sei völlig blau und merkte, dass ich mich verplappert hatte!
Hans drängte mich zur Seite unmd versuchte, sich micht Gewalt Zugang zum Haus zu verschaffen, und doch, er fand sich in der verwinkelten Architektur nicht zurecht; "Wo ist der Plan vom Haus?" brüllte er mich an. Ich antwortete: "O.K., also, ich gehe jetzt mal den Plan holen, und, ihre Frau legt sich da hinten auf die Couch, zu Psychotheraphie, ich denke, bis ich den Plan gefunden habe, ist genug Zeit, dass sie sich auszieht, na ja, die Ringe darf sie anbehalten..........".
Ich schalte das Radio ein und es lief "you can leave your head on" von Joe Coccer......

Er kam nach 2 Minuten wieder mit einem Schnittmuster der Zeischrift "Brigitte" und sagte: "Das muss der Plan sein, denn so gut getarnt; das KANN er nur sein".........

Noch bevor Dagmar auch nur ihren Hut ausziehen konnte, gingen wir den Wegen des Planes entlang, und, irgendwann kamen wir zu einer Geheimtür. Mit vereinten Kräften konnten wir sie öffnen und gelanten zu einem Raum, den Dagmar sofort als Aufenthaltsraum von Tim erkannte; "Da, all die Sachen, die man hier sieht; die hat Tim entweder irgendwann mal geschenkt bekommen, oder aber, sich selber gekauft; es gibt bestimmt einen Zugang zu seinem Zimmer in unserer Wohnung!"............

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Ende: MO 02 Januar 2012

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